Wunschbaby auf Eis legen

Hier mein bereits publizierter Artikel* zum Thema Social Egg Freezing. Das präventive Einfrieren junger Eizellen sorgt immer wieder für zündenden Gesprächsstoff. Die aufgetauten Eier zur künstlichen Befruchtung entzweien die Gemüter.

Die Eigenspende zur Erfüllung eines späteren Kinderwunsches löst immer wieder eine differenzierte Debatte aus.


Die Gynäkologen DDr. Fiala und Dr. Brunbauer stehen der Reproduktionstechnik positiv gegenüber; sie sind der Meinung, dass jede Frau mit Social Egg Freeezing das Recht auf Selbstbestimmung und spätere Familienplanung haben soll. Frauen könnten sich damit die Möglichkeit offenhalten, mit ihren jungen gesunden Eizellen später noch Mutter zu werden. Ab 30 Jahren beginnt bei Frauen die biologische Uhr zu ticken, denn die Chance auf eine Schwangerschaft sinkt.


Aktion-leben-Generalsekretärin Mag. Martina Kronthaler sieht das anders. Sie plädiert dafür, dass Frauen in ihrer fruchtbaren Phase gebären sollen! Zudem könnte mit Social Egg Freezing Frauen die Chance auf eine frühe Mutterschaft genommen werden, führt Kronthaler aus. Mit einer künstlichen Befruchtung besteht außerdem ein unnötiges Risiko für die Frau und das ungeborene Kind.


Kann man mit Social Egg Freezing tatsächlich bewirken, dass der Druck junger Frauen erleichtert wird? Viele entscheiden sich bewusst erst später schwanger zu werden – hier wäre die Politik angehalten, jungen Müttern bessere Förderungen anzubieten.


Standpunkte von Experten

Dr. Mathias Brunbauer, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe und Leiter der Klinik Wunschkind in Wien

„Frauen sollen Recht zur Selbstbestimmung haben“


Social Egg Freezing ist in Europa im Kommen - in Österreich leider verboten. Das präventive Einfrieren unbefruchteter Eizellen steht immer wieder in kontroversieller Diskussion. Aber warum dürfen Frauen ihre Familienplanung nicht selbst gestalten oder ist Egg Freezing ein Trend wider die Natur?

Nein, Frauen sollten das Recht zur Selbstbestimmung haben und der Erfolg spricht für sich: 60 bis 85 % aller Frauen werden schwanger, die ihre tiefgefrorenen Eizellen für eine künstliche Befruchtung wiedereinsetzen.


Fachkundige Aufklärung trägt maßgeblich dazu bei, dass Frauen die beste Entscheidung für sich und ihre zukünftige Familie treffen können.


In Europa bekommen Frauen ihr erstes Kind mit durchschnittlich 30,7 Jahren - Österreich liegt dabei genau im EU-Schnitt. In den meisten Fällen besitzen die Frauen bis zum 35. Lebensjahr sehr gute Eizellen - etwa jede vierte Eizelle ist chromosomal gesund. Ab Mitte 30 verlieren die Eizellen jedoch an Qualität und die biologische Uhr beginnt zu ticken.

Jede Frau wird mit einer halben bis eine Million Eizellen geboren. Diese sind bereits bei der Geburt fertig ausgebildet und es werden im Laufe der Zeit auch keine mehr dazu kommen. Mit dem Einsetzen der Pubertät beginnt die Reife der Eizellen, die zu Hunderten pro Monat darauf warten, befruchtet zu werden. Allerdings reift während dieses Vorgangs nur eine Eizelle fertig heran - alle anderen werden nicht weiterentwickelt. Man könnte auch von einem weiblichen Wunder sprechen, dass die Eizellen über einen sehr langen Zeitraum im Körper gespeichert und gelagert werden können, ohne kaputt zu werden.


Wissenschaftliche Studien belegen: je älter eine Frau wird, desto weniger Eizellen hat sie zur Verfügung. Sowohl die Quantität als auch die Qualität nehmen mit dem Alter ab. Die Gefahr von genetischen Defekten steigt. Nur mehr jede sechste bis achte Eizelle ist in einwandfreiem Zustand.


In Zeiten der Individualität und der Selbstbestimmung von Frauen sollte es doch auch in Österreich legal möglich sein, Eizellen zur Vorsorge zu lagern, um auch noch in späteren Jahren die Chance auf ein gesundes Kind zu erhöhen. Also warum nicht selbstbestimmt über die Fruchtbarkeit und Schwangerschaft entscheiden können?

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Mathias Brunbauer

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Mascha Verkooijen

DDr. Christian Fiala, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Wien

“Wo bleibt die Selbstbestimmung?“

Die Debatte um „Social Egg Freezing“ gab es schon vor vier Jahren-unverständlicherweise ist dies seit einigen Monaten wieder ein Thema. Jede Frau sollte doch selbst bestimmt entscheiden dürfen, was sie mit ihren Eizellen macht. Somit kann sie auch noch in späteren Lebensjahren ein Kind bekommen. Fehlender Partner und Karriere sind oft die Hauptmotive für einen eventuellen späteren Kinderwunsch.


Es ist nicht nachvollziehbar, dass die demokratisch gewählten und von uns bezahlten Nationalratsabgeordneten uns im intimsten Lebensbereich bevormunden und entscheiden, dass Eizellen und Spermien nur in medizinisch begründeten Fällen (zum Beispiel bei einer Chemotherapie) konserviert werden dürfen. „Social Egg/Sperm Freezing“ ohne medizinischen Grund ist damit in Österreich nicht erlaubt. Dafür muss man derzeit in ein anderes Land fahren. Bereits seit Jahren empfiehlt die österreichische Bioethik-Kommission, Studien durchzuführen, um Erfahrungen aus anderen Ländern zu sammeln, um mögliche negative Folgewirkungen vermeiden zu können.


Eine Befragung aus dem Verhütungsreport zeigt, dass es sich tatsächlich jedoch nur um einen kleinen Kreis an Frauen handelt, die sich ihre Eizellen entnehmen und einfrieren lassen würden. Nur für 13 % aller Frauen würde die Reproduktionstechnik für eine spätere Befruchtung in Frage kommen. 40 % der Frauen sehen diese Methode grundsätzlich als interessant an, auch wenn sie es persönlich nicht in Erwägung ziehen würden. Es geht auch deutlich hervor, dass es jüngere Frauen eher befürworten, als ältere Frauen.


Sehr interessant ist auch die Einstellung der Männer zum Thema „Social Sperm Freezing“. Deutlich mehr Männer als Frauen können sich dies für sich vorstellen: 26 %, aber auch diese Methode ist in Österreich ohne medizinische Indikation verboten. Wie bei den Frauen ist allgemein die Zustimmung zu diesem Thema bei den jüngeren Männern größer. Grundsätzlich gegen „Social Egg/Sperm Freezing“ sind 28 % der Frauen bzw. 18 % der Männer. Dieser Geschlechtsunterschied ist möglicherweise mit der größeren Belastung der Frauen durch die Eizellenentnahme und die nach wie vor geringe Erfolgsrate von In-vitro-Fertilisation erklärbar.

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Christian Fiala

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Gynmed

Mag. Martina Kronthaler, aktion leben-Generalsekretärin in Wien

"Unnötiges Risiko für fruchtbare Frauen"

„Mit „Social Egg Freezing“ wird oftmals falsch geworben - den Frauen vorzugaukeln, dass sie später mit ihren tiefgefrorenen Eizellen noch Mutter werden können, ist nicht der richtige Weg. Egg Freezing birgt die Gefahr, dass junge Frauen ihre fruchtbare Phase verstreichen lassen - Garantie für eine spätere Schwangerschaft und Geburt eines Kindes gibt es keine. In den USA gibt es sogar Geld dafür, Eizellen einfrieren zu lassen, damit die Frauen lange für das Unternehmen arbeiten können. Diese Möglichkeit existiert in Österreich nicht, denn Social Egg Freezing ist gesetzlich nur bei vorliegender medizinischer Indikation erlaubt.


Bedauerlicherweise muss auch festgestellt werden, dass die Schattenseiten meist leider unerwähnt bleiben. Eine bessere Aufklärung über die Probleme die mit einer künstlichen Befruchtung sowohl für die Mutter als auch für das Kind einhergehen können, ist wünschenswert. Die niedrige Erfolgsrate der künstlichen Befruchtung wird nur wenig beleuchtet - nur jeder fünfte bis sechste Versuch ist erfolgreich. Und: je älter die Frau, desto höher sind die Risiken durch Schwangerschaft und Geburt für Mutter und Kind und desto niedriger auch die Geburtenrate trotz In-vitro-Fertilisation! Die Risiken bleiben in den einhergehenden Diskussionen oft ausgeklammert. Eine Hormonbehandlung kann vom Überstimulationssyndrom bis hin zur Risiko- und Eileiterschwangerschaft führen. Zudem verweisen Kinderärzte nach künstlicher Befruchtung auf vermehrte Frühgeburten und Fehlbildungsraten.

„Social Egg Freezing“ sollte auch gesellschaftspolitisch betrachtet werden.

Warum müssen Frauen für politische Versäumnisse bezahlen? Es geht zudem auch um Geld, an der Technik wird auch ordentlich verdient! Seit Jahren verabsäumen PolitikerInnen gute Rahmenbedingungen für Mütter zu schaffen. Jungen Akademikerinnen fehlt es noch immer an gesicherten Arbeitsverhältnissen und das Vereinbaren von Ausbildung, Arbeit und Kinderbetreuung ist nach wie vor eine enorme Herausforderung, die vor allem den Frauen angelastet wird. Dadurch werden Frauen angehalten, ihre Familienplanung später zu gestalten und auf bessere Zeiten zu hoffen. Hier sollen Frauen mit ihrem Körper reparieren, was die Politik versäumt oder verweigert!

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Martina Kronthaler

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Ch. Schön/aktion leben


*Auf Basis meines Ärzte Woche Artikels (Ausgabe Nummer 28 vom 11.7.2019) verfasst und verändert von Dr. Sonja Vesely

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